Yang Family Tai Chi Chuan in Kiel, Schleswig-Holstein - Thilo Krienke

Tai Chi Chuan - eine unterschätzte Kunst

Kunst zu schätzen unterwirft den Betrachter immer wieder seinen eigenen Beschränkungen, Vorurteilen. Wie ist es beim Tai Chi Chuan, dieser immer wieder hoch gerühmten chinesischen Kampfkunst? Ihre zumeist langsame Übeweise, ihr meditativer Charakter und die ihr zugeschriebenen gesundheitsfördernden Wirkungen sind allgemein bekannt. Aber Kunst? Wieso Kunst?


Der ästhetische Aspekt des Tai Chi Chuan erschließt sich sowohl dem Betrachter als auch dem Ausübenden. Ersterer sieht, Letzterer spürt. Und gerade das Gespür für den eigenen Körper, die eigene Energie, Verwurzeltsein und Leichtigkeit ist im Kern dieser Kunst. Gekonnt ausgeführt, öffnet sich all dieses auch dem Betrachter: auf ihn geht eine zumindest entspannende Wirkung aus.


Genug zunächst der schönen Farben: im Kern ist Tai Chi Chuan eine Kampfkunst, die neben ihrer kämpferischen Pragmatik (jede Bewegung hat Funktion in Angriff und Verteidigung) die Wirkungsweise des Tai Chi verkörpert. Es ist die Entstehung von Yin und Yang und die permanente, dynamische Harmonie zwischen diesen Gegensatzpaaren. Vor und Zurück, Oben und Unten, Links und Rechts, Arme und Beine, Hand und Fuß, ja Alles wird durch und über die Mitte des Übenden im bewegten Gleichgewicht geführt.


Und gerade dieser ewige Ausgleich ist die Wirkung des Tai Chi, verstanden als weltanschauliches Konzept im philosophischen Daoismus. Die sprachliche Addition "Chuan" ("Faust") signalisiert das Phänomen einer Kampfkunst, die diesen grundlegenden Prinzipien entspricht. Sie zeigen sich in Körperhaltung, Bewegungsweise und Führung durch den Geist des Übenden. Ohne Unterbrechung sollte die Vorstellungskraft sein, ohne Ab- oder Ausschweifen, kein Zuviel und kein Zuwenig.

So kommt der regelmäßig Übende in den Genuss der Früchte seines Tuns: körperliche und mentale Entspanntheit, stabile Gesundheit und eine heitere Gelassenheit.